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Melanie links, rechts mein Zwilling

Einleitung

Von einem KI-Zwilling habe ich mittlerweile schon öfter gehört. Aber so richtig Gedanken darüber gemacht? Eher nicht – bis jetzt. Denn heute landete eine E-Mail in meinem Postfach: Ein Angebot für einen Online-Kurs zur Erstellung meines eigenen KI-Zwillings zur Content-Erstellung auf Instagram!
Meine erste Reaktion: „What the F…?!“
Ob ich so etwas möchte? Definitiv nein!

Als ich mich Anfang letzten Jahres in die nebenberufliche Selbstständigkeit mit meinem Handmade-Shop für handgemachte Keramik gewagt habe, war ich – zugegeben – etwas blauäugig (obwohl meine Augen eigentlich grün-braun sind 😉), vor allem was das Thema Marketing betrifft. Schnell stellte ich fest: Ohne Social Media ist es nahezu unmöglich, sichtbar zu werden und eine Community aufzubauen, die handgemachte Keramik genauso liebt wie ich.

Also erstellte ich mir einen Instagram-Account – @heartmade4home_melanie – mit dem Ziel, Vertrauen in mich und meine handgemachten Steinzeugunikate aufzubauen. Doch aller Anfang ist bekanntlich schwer: Besonders das Erstellen von „viral tauglichem“ Content fiel mir nicht leicht. Deshalb habe ich mich dieses Jahr in einen Instagram-Kurs eingeschrieben, um dazu zu lernen.

Und genau an diesem Punkt flatterte nun das Angebot in mein Postfach: Ein KI-Zwilling, der meine Instagram-Inhalte automatisch für mich erstellt.

Was ist eigentlich ein KI-Zwilling?

Mein „bester Freund“ Chat GPT erklärt einen KI-Zwilling folgendermaßen:

„Ein KI-Zwilling (künstlich intelligenter Zwilling) ist ein digitales Abbild eines realen Objekts, Systems oder sogar eines Menschen, das mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt, betrieben und laufend mit Daten versorgt wird.
Der KI-Zwilling kann nicht nur Daten spiegeln, sondern auch lernen, Muster erkennen und Prognosen erstellen.

👉 Kurz gesagt:
Ein KI-Zwilling ist ein lernfähiges digitales Spiegelbild der Realität, das enorme Chancen für Industrie, Medizin und Alltag bietet – aber auch Fragen zu Kosten, Datenschutz und Vertrauen aufwirft.“

Frauensiluette, die sich schminkt

Ich gebe zu: Auf den ersten Blick klingt das verlockend

Würde ich mir wirklich einen KI-Zwilling „erschaffen“, könnte ich ganz bequem:

  • meine Speckröllchen wegretuschieren,
  • immer perfekt gestylt (trotz Naturlocken, Make-up, Kleidung, Fingernägel) vor die Kamera treten,
  • mein schwäbisches Hochdeutsch perfektionieren,
  • die ersten Fältchen filtern lassen,
  • nie graue Ansätze in den Haaren haben,
  • mir gewünschte Texte fehlerlos und ohne „ähs“ und „öhms“ sprechen lassen …

Aber möchte ich das wirklich? Klare Antwort: NIEMALS. Ich bin — wie meine Keramiken — ein UNIKAT.

Herz und Hände

Ich bin Gründerin eines kleinen Handmade-Shops Heartmade4home und stelle selbst Steinzeugkeramik her. Anders als beim Verkauf von Massenware muss ich Vertrauen aufbauen: Kundinnen und Kunden sollen wissen, wer hinter den Produkten steht. Deshalb möchte ich als echte Person vor die Kamera treten — so, wie Gott mich geschaffen hat — und zeigen: Das bin ich, Melanie von Heartmade4home und ich habe dieses Stück Keramik genau so gefertigt.

In meinen Blogbeiträgen und Beiträgen auf Instagram teile ich persönliche Gedanken, Eindrücke und Meinungen. Diese Echtheit lässt sich nicht 1:1 von einem KI-Zwilling replizieren oder formulieren. Meine Stimme, meine Fehler, meine kleine Unsicherheiten — das gehört zur Marke und zur Beziehung zu meinen Kund:innen.

Deshalb: Technik ja — aber keine Content-Erstellung auf Instagram auf Kosten meiner Authentizität.

Meine Gründe, warum ich mich bewusst gegen einen KI-Zwilling entscheide:

🌱1. Authentizität & Persönlichkeit

Mein Shop lebt von meiner persönlichen Handschrift. Jede meiner handgemachten Steinzeugkeramiken ist ein Unikat – KI-generierter Content wirkt dagegen „zu glatt“ und nimmt dem Handmade-Charakter die Seele. Meine Kund:innen sollen nicht nur meine Produkte sehen, sondern auch mich und meine Geschichte kennenlernen. Bei Massenware mag es egal sein, ob der Content von einem KI-Zwilling kommt – bei Handmade ist er es nicht.

Fingerabdruck persönliche Handschrift

🎨 2. Kreative Identität

Meine Kreativität ist Teil meines Markenkerns. Wenn KI übernimmt, wird der Content austauschbar und seelenlos. Gerade im Kunsthandwerk zählt die künstlerische Perspektive der Macherin – in meinem Fall: meine eigene.

💬 3. Kundenbindung & Nähe

Meine Community möchte echte Einblicke: Werkstattmomente, kleine Fehler, meine Stimme, mein Gesicht. Ein KI-Zwilling würde Distanz schaffen und echte Transparenz ersetzen. Storytelling lebt von Emotionen – und die lassen sich nicht künstlich generieren.

⚖️ 4. Werte & Positionierung

Handmade steht für Echtheit, Handarbeit und Individualität. Wenn ich meinen Content von einer KI erstellen lassen würde, würde ich meine eigenen Werte konterkarieren. Mein USP ist: Alles bei mir entsteht mit Herz und Hand – das gilt auch für meinen Content. Meine Persönlichkeit kann kein digitaler Zwilling ersetzen.

🕰️ 5. Lern- und Entwicklungswert

Lern- und Entwicklungswert von Content-Erstellung

Wie ich schon in meinem Jahresrückblick 2024 geschildert habe, habe ich in 2024 mehr gelernt als in Schule und Ausbildung zusammen – und diese Entwicklung geht weiter. Content-Erstellung ist für mich Teil dieses Lernprozesses: Ich finde meine Markenstimme, bleibe im direkten Austausch mit meiner Community und erfahre, was ankommt. Dazu gehören auch unperfekte Posts, die vielleicht nicht hochprofessionell wirken – aber sie sind von mir. Und genau das macht sie echt.

Mögliche Gründe, warum Menschen einen KI-Zwilling „erschaffen“ möchten:

🌐 1. Hohe Anforderungen durch Instagram

Wenn ich es richtig verstanden habe, möchte der Instagram-Algorithmus, dass wir Nutzer:innen möglichst viel Content erstellen – am besten mehrmals täglich. So bleiben Menschen lange auf der Plattform und werden „bezirzt“.

Content-Zwang

Ich selbst bemühe mich, 3–5 Mal pro Woche Content zu posten. Am Wochenende lasse ich Instagram aber einfach Instagram sein. In meiner Handmade-Branche, als Ein-Frau-Betrieb, arbeite ich ohnehin gefühlt 24/7. Da gibt es Tage, an denen ich voller Euphorie bin – und andere, an denen mir nicht nach Content zumute ist. Mal habe ich Lust, mal nicht. Und wenn ich nichts zu sagen habe, dann bin ich eben still.
Algorithmen, Reichweite, Follower hin oder her: Als echter Mensch nehme ich mir diese Freiheit heraus.

🚂 2. Der Reiz des Technik-Zuges

Ich gebe zu: Als ChatGPT damals online ging, war „er“ für mich wie ein neuer bester Freund. „Lieber ChatGPT, bitte optimiere meinen Text.“ – und schwupps, meine eigenen Sätze wirkten flüssiger und klarer. Bis heute ist das für mich eine enorme Arbeitserleichterung, weil es meine Gedanken mit meiner Sprache verbessert – nicht weil es mir eine Fake-Version meiner selbst erschafft.

Dann kamen KI-Bilder und KI-Videos als nächster Trend. Für mich kam das nicht infrage: Ich möchte meine Produkte selbst zeigen – in meinem Zuhause, in meinem Garten, oder im echten Alltag meiner Kund:innen. Nicht auf einer einsamen Trauminsel oder in einem Hochglanz-Setting, das nichts mit der Realität meiner Keramik zu tun hat.

Reichweite hoch

3. Zeitersparnis

In der E-Mail zum KI-Zwilling wurde mit folgender Argumentation geworben:
„Hand aufs Herz: Sichtbarkeit ist heute alles. Aber jeden Tag vor die Kamera? Styling, Make-up, Licht, 100 Versuche bis ein Bild passt? Dein KI-Zwilling macht das für dich – in wenigen Klicks, jederzeit bereit, ohne Stress. Und du kannst in der Zwischenzeit locker auf dem Sofa chillen.“

Ja, das klingt im ersten Moment verlockend. Aber mal ehrlich: Wenn ich gerade keinen Instagram-Content erstelle, dann liege ich nicht auf der Couch und chille, sondern habe genug andere Aufgaben im Leben und im Business.

Trotzdem kann ich verstehen, dass diese Lösung für Menschen interessant ist, die ausschließlich über Instagram arbeiten, ihr Geld damit verdienen und somit auf tägliche Sichtbarkeit angewiesen sind. Für sie mag ein KI-Zwilling wirklich gewisse Vorteile bringen.

Sanduhr

Aber wollen wir wirklich nur noch KI-Zwillinge auf Instagram sehen? Hand aufs Herz!

Heißt es nicht Social Media? Geht es da nicht um echte Beziehungen zwischen echten Menschen? Was bleibt übrig, wenn wir stattdessen seelenlosen Content sehen und hören, der nur produziert wurde, um die Plattform zu füllen?

Sind wir als normale Menschen auf Social Media nicht mehr gut genug? Müssen wir immer perfekt auftreten – ohne Versprecher, ohne kleine Macken? Darf man nicht mal ins Stocken geraten, sich am Kopf kratzen oder lachen, wenn etwas schiefgeht? Genau diese Echtheit macht uns doch sympathisch und nahbar.

Echte Menschen

Und was bedeutet es für die Zukunft? Müssen wir bald bei jedem Video erst überlegen: Ist das jetzt echt – oder nur ein KI-Fake? Wenn alles Hochglanz und künstlich ist, droht doch der Kern von Social Media verloren zu gehen: Vertrauen und echte Verbindung.

Mein Fazit

Von mir gibt es niemals einen KI-Zwilling

Von mir wird es niemals einen KI-Zwilling geben – genauso wenig, wie man jemals mit einem 3D-Drucker echte Steinzeugkeramik herstellen kann.

Von mir gibt es niemals einen Klon. Ich bin einzigartig – so wie jedes meiner handgemachten Stücke.

Von mir gibt es niemals Fake-Content. Ich bin gut genug, so wie ich bin – mit meinen Stärken und Schwächen, meinen Ecken und Kanten.

Und wem das nicht gefällt? Der darf jederzeit weiterswipen. Denn ich bleibe lieber echt – für alle, die genau das schätzen.

Frauenpower

Wie siehst du das?

💬Schreibe mir gerne deine Meinung in die Kommentare! Ich bin gespannt auf deine persönlichen Gedanken!

💫Und wenn du mehr von mir und meinen handgemachten Keramiken erfahren möchtest: So kannst du mich jederzeit kontaktieren:

📧E-Mail: melanie@heartmade4home.de

🌟Web: www.heartmade4home.de

🚀Shop: www.heartmade4home.etsy.com

🌞Instagram

♥️Pinterest

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Autor

melanie.ienco@t-online.de

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